Hintergrund

Im Umfeld des Medienzentrums der GWA St. Pauli gibt es junge Frauen aus der farsisch-/persisch-sprachigen Community, die einen ca. 7-minütigen Aufklärungsfilm zu den Themen Jungfräulichkeit und Besuch bei der Frauenärztin entwickelt haben. Den jungen Frauen war aufgefallen, dass auch Mädchen und junge Frauen in ihrem Bekanntenkreis die Frage eines intakten Jungfernhäutchens beschäftigt, aber nur wenige um dessen Beschaffenheit wissen. Stattdessen kursieren viele Gerüchte. Selbst ein Besuch bei der Frauenärztin ist angstbesetzt und wird zum Teil auch bei akuten Beschwerden nicht wahrgenommen – besonders wenn sprachliche Hindernisse hinzukommen, die die Verständigung während einer Untersuchung erschweren.
Zu den im Film behandelten Themen gibt es bisher einige wenige Filme. Allerdings ist allen gemeinsam, dass ihre Perspektive nicht die der Jugendlichen ist, sondern sie sich entweder an Frauen als Benachteiligte und an Erwachsene in ihrer Profession richten. Zwar gibt es auch Filme, die direkt Jugendliche ansprechen, es wenden sich jedoch Erwachsene an sie. Darüberhinaus findet ein sprach-, migrations-, kultur- oder religionssensibler Zugang kaum Berücksichtigung.
Im Juli 2013 haben wir einen Auftakt-Workshop mit mehreren jungen Frauen durchgeführt. Neben einer ersten Recherche haben die Frauen ihre eigenen Fragen mit einer Sexualpädagogin geklärt und ein Konzept für den Kurzfilm entwickelt: Leyla, ein fiktives Mädchen, stellt sich Fragen zu Jungfräulichkeit und zum Frauenärztinnenbesuch. Leyla führt als Stopp-Trick Animation durch den Film. Als Interviewpartnerin stand uns Helga Seyler, Frauenärztin des Familienplanungszentrums, zur Verfügung.
Das Besondere und Einzigartige an dem dabei entstandenen Kurzfilm ist, dass er aus der Perspektive einer Jugendlichen bzw. jungen Frau fragt, die in den bisherigen Filmen lediglich als Objekt der Aufklärung und Behandlung vorkommt. Da die jungen Filmemacherinnen selbst u.a. einer migrantischen Community angehören, wird ein solcher Blickwinkel stets mitgedacht, ohne dass er im Zentrum des Filmes steht. So eignet sich der Film auch für junge Menschen, die keinen Migrationshintergrund mitbringen.
Die Filme können kostenlos über soziale Netzwerke und öffentliche Videoplattformen angesehen werden, so dass ein niedrigschwelliger Zugang gewährleistet ist. Die einzelnen Filme, eine DVD mit allen Versionen, ein zugehöriges DVD-Cover sowie eine Bildermappe und Methodenbeschreibung zur Arbeit mit dem Film sind Creative Commens lizensiert und stehen zum Download zur Verfügung.

Das Projekt war 2015 zu Gast beim Kongress Armut und Gesundheit.

Advertisements